Diesmal das Wunder von Nürnberg

Schon wieder ein glücklicher Dreiervergleich

Keine Woche ist es her, dass Jahn Münchens NBBL durch einen unerwarteten Erfolg in Urspring ins Aufstiegsturnier der NBBL einzog. Nun gelang der nächste Coup: Die Zwuckels beendeten das Turnier auf dem dritten Platz und spielen fortan und erstmalig in der A-Runde der U19-Bundesliga. Bis Ende Januar darf man sich nun mit Gegnern aus Nürnberg und Jena messen und hat außerdem zwei stadtinterne Duelle gegen Schwabing und Bayern München.

Am Samstag reisten die Jahnler nach Nürnberg, Austragungsort des Turniers, und standen vor gewaltigen Aufgaben. Es galt nicht nur, drei volle Spiele innerhalb von 25 Stunden zu absolvieren. Der Spielplan sah außerdem vor, dass die Münchener am Samstag die letzte Partie des Tages zockten und am Sonntag gleich um neun Uhr die erste - Schlafmangel war daher ein unvermeidbarer Faktor. Der Jahn-Trainerstab priorisierte bei seinen Planungen Gesundheitsmanagement und Belastungssteuerung. Das Training in der Vorwoche wurde heruntergefahren, ein Hotel in fußläufiger Entfernung zur Halle gebucht, die Ernährung schon zwei Tage vor Turnierbeginn angepasst. Und Jahn rotierte fleißig. Bis auf den Burglauf-Fan Felix Geiger (24:08 min) spielten sämtliche Jahnler durchschnittlich unter 22 Minuten pro Partie, was sich am Ende aller Spiele positiv bemerkbar machte. Aus sportlicher Sicht war die Ausgangslage schnell erzählt: Aus dem Feld von vier Teilnehmern steigen die ersten drei in die A-Division auf, der Letztplatzierte bleibt in der B-Division.

Samstag, 1. Spiel: Nürnberg gegen Urspring (91:87)

Den Auftakt machten die Gastgeber, die sich in einem hochklassigen und engem Spiel (es gab 13 Führungswechsel) knapp gegen Urspring durchsetzen konnten. Nürnberg konnte sich in der zweiten Halbzeit etwas absetzen, brachte sich mit drei technischen Fouls in der Schlussphase aber noch selbst in Bedrängnis. Ohne ProA-Akteur Lars Lenke antretend überzeugte Nino Neubert für die Nürnberger mit 27 Zählern, während Frederik Kraaß die Gäste mit 31 Punkten anführte.

Samstag, 2. Spiel: Jahn München gegen Würzburg (96:76)

Jahns Auftaktspiel brachte den am Ende entscheidenden Sieg in gerade ausreichender Höhe. Wie bedeutend das Spiel im weiteren Turnierverlauf werden würde, ahnte zu dem Zeitpunkt noch niemand. Die Würzburger hatten zwei ihrer Leistungsträger zum zeitgleich stattfindenden Regionalliga-Spiel entsandt. Jahn verpasste es zunächst, die Gunst der Stunde zu nutzen. In einer auf beiden Seiten fehlerreichen Partie wirkten die Münchener lange Zeit gehemmt, verzettelten sich in Einzelaktionen und waren defensiv oft mehr als einen Schritt zu langsam. Im dritten Viertel gelang Würzburg sogar der Ausgleich (48:48), die Partie drohte zu kippen. Doch Jahn schaffte die Wende, überpowerte die müder werdenden Gäste mit einer Pressverteidigung und schlug Profit aus zahlreichen Ballgewinnen. Zwei Dreier in der Schlussminute erhöhten die Führung auf 22 Punkte, in den Schlusssekunden gelang Würzburg die Ergebniskorrektur auf die finale 20-Punkte-Differenz.

Sonntag, 1. Spiel: Urspring gegen Jahn München (80:62)

In einer erwartet schweren Partie nach einer zu kurzen Nacht ließ Urspring seine Muskeln spielen. Die Münchener taten ihr Bestes und wirkten defensiv erheblich stabiler als am Vortag. Gegen die physisch agierenden Gäste war es die ideenlose Jahn-Offensive, die das Spiel zu einer frustrierenden Erfahrung machten. 37 Jahn-Punkte nach drei Vierteln, so das vernichtende Urteil der Anzeigetafel. Das Spiel drohte zum Desaster zu werden, auch, weil die Urspringer in der zweiten Halbzeit mit guten Wurfquoten jede Unachtsamkeit bestraften. Mit 19 Punkten lagen die Zwuckels nach drei Vierteln zurück, dann begann die offensive Wende. Jahn entdeckte erstmalig in diesem Turnier die Freude an Zusammenspiel und schnellem Ballvortrag. Obwohl Urspring weiterhin seine Dreier traf, entschied Jahn das Schlussviertel knapp mit 25:24 für sich.

Sonntag, 2. Spiel: Nürnberg gegen Würzburg (84:73)

Während sich die beiden Favoriten des Turniers, nun jeweils in Bestbesetzung auflaufend, ein intensives Duell lieferten, begann man beim Jahn zu rechnen. Direkte Vergleiche sind bei solch einem Turnier immer wahrscheinliche Szenarien. Und mitten in den Frust über die eigene Leistung in den ersten beiden Spielen mischte sich plötzlich Hoffnung: Jahn hatte mit 18 Punkten verloren, aber auch mit 20 Punkten gewonnen. Und wenn Nürnberg dieses Spiel gewinnt, wäre Jahn bereits sicher qualifiziert. Tatsächlich erarbeiteten sich die Nürnberger im zweiten Viertel eine zweistellige Führung. Doch Würzburg kam, angeführt von Jahn-Alumni Paul Plato (21 Punkte), zurück - und lag vor dem Schlussabschnitt mit einem Punkt in Führung. Die Jahn'schen Hoffnungen schrumpften. Dann wuchsen die Jahn'schen Hoffnungen wieder, denn während die Gastgeber weiterhin mit unbeeindruckter Konstanz punkteten, ging bei den Gästen gar nichts mehr. Beim 66:66 war noch alles offen, dann erlebte Würzburg eine Phase von fast sechs Minuten ohne Feldkorb. Als der überragende Lars Lenke (27 Punkte) anderthalb Minuten vor dem Ende auf eine 15-Punkte-Führung erhöhte, war die Partie entschieden. Nürnberg war damit qualifiziert. Und Jahn auch.

Sonntag, 3. Spiel: Würzburg gegen Urspring (105:97)

Zwei der drei begehrten Plätze in der A-Runde waren bereits ausgespielt, einer war noch zu vergeben. Rechenspiele ergaben: Würzburg musste mit mindestens 20 Punkten Differenz gewinnen, um eine Chance aufs Weiterkommen zu haben. Bei einem Sieg mit weniger als 20 Punkten Vorsprung wäre ein Jahn-Sieg gegen Nürnberg im letzten Spiel als Schützenhilfe nötig. In allen anderen Fällen wäre Urspring der lachende Dritte. Die Urspringer starteten überraschend stark, lagen zwischenzeitig mit 15 Punkten Vorsprung vorne. Ausgerechnet die Verletzung ihres BBL-Akteurs Marko Petric, der umknickte und nicht weiterspielen konnte, verschob die Dynamik. Bei den Würzburgern trat Paul Plato (30 Punkte) nun mehr in den Mittelpunkt, seine Mannschaft begann Fahrt aufzunehmen. Würzburg lag mit fünf Punkten in Führung, als Plato mit Krämpfen ausgewechselt werden musste. Zweieinhalb Minuten später war wiederum Urspring um Topscorer Mateo Mcswain (30 Punkte) mit fünf Zählern vorne, Plato kam zurück. Die Offensivmaschine der Würzburger begann wieder zu laufen, und als drei Minuten vor Ende die Würzburger mit zehn Punkten in Führung lagen (97:87), schien jedes Szenario denkbar. Doch Urspring fing sich, konnte zumindest den Rückstand moderat halten, um im Dreiervergleich Jahn-Urspring-Würzburg vorne zu landen.

Sonntag, 4. Spiel: Nürnberg gegen Jahn München (88:76)

Die letzte Partie bot ein merkwürdiges Bild. Beide Mannschaften waren bereits qualifiziert und gaben sich noch sichtlich Mühe, lieferten auch ein seriöses und gutes Spiel ab. Die Emotionen waren aber ganz auf Seiten der Teams, die nicht mehr spielten: Würzburg war zum Weiterkommen auf einen Sieg der Jahnler angewiesen, Urspring auf einen Sieg der Nürnberger. Die Münchener zeigten in diesem Spiel die beste Offensivleistung des Turniers, lagen zur Halbzeit sogar knapp vorne (36:40). Dennoch waren die Nürnberger mit ihrer reifen Spielanlage optisch leicht überlegen, nur die Trefferquote spielte noch nicht mit. Das änderte sich nach dem Seitenwechsel radikal. Zwei zu fünf Dreier, so die Bilanz der ersten Halbzeit aus Nürnberger Sicht. Neun zu vier, so die Bilanz der zweiten Halbzeit. Nürnberg zog bis auf 20 Punkte davon, ehe Jahn, ganz im Sinne ihrer vorherigen Spiele, in den Schlussminuten die bessere Mannschaft war.

Planmäßig startet Jahn die A-Runde am 15.11. mit einem Heimspiel gegen Schwabing. Da der Spielplan noch in der Entstehungsphase ist, ist diese Angabe ohne Gewähr.